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Stiftung Wings of Hope und Labenbachhof gGmbH Ruhpolding

2011-09-19

Ein Erfahrungsbericht zur „sozialen Woche“ vom 19.09. bis 24.09.2011

CSR-Mitarbeiterin: Pia Sauerborn

 

Vorgeschichte

Der Kontakt zur Stiftung Wings of Hope und deren Tochtergesellschaft Labenbachhof gGmbH in Ruhpolding kam durch den Kontakt einer Stiftung aus Stuttgart zustande, die von der CSR in der Vermögensverwaltung betreut wird und die mir den Tipp gab, bei der Stiftung Wings of Hope meine Unterstützung auf dem Labenbachhof in Ruhpolding anzubieten, da die Stiftung mit ihrem Traumahilfezentrum erst seit Ende letzten Jahres auf dem Labenbachhof tätig ist und die gleichnamige gemeinnützige GmbH auch erst in dieser Zeit gegründet wurde. Über ein wenig Hilfe im organisatorischen Bereich würde man sich daher dort, wie uns von der Stuttgarter Stiftung mitgeteilt wurde, sicherlich sehr freuen.

 


Auf Empfehlung der anderen Stiftung wurde daraufhin der Kontakt zu der Geschäftsführerin des Labenbachhofs, Frau Renate Heyden-Klentzan hergestellt, mit der ich mich telefonisch sehr schnell auf einen Einsatzzeitraum im September verständigen konnte. Zur gleichen Zeit sollte dort eine „Summer Academy“ der Stiftung Wings of Hope mit jungen, erwachsenen Menschen aus den Krisenregionen Palästina, Israel und Bosnien-Herzegowina stattfinden.

 

 

Von Traumatherapie und Traumapädagogik, bei der Stiftung Wings of Hope integraler Bestandteil der Friedensarbeit (darum ging es v.a. in der Summer Academy, dazu später mehr) hatte ich bis dato nur wenig bis gar keine Kenntnisse und war somit sehr gespannt, wie die Arbeit einer derartigen Organisation aus der Nähe aussehen würde.

 

Meine Zeit auf dem Labenbachhof

Nach einigen Staus auf den Autobahnen vor und um München erreichte ich am Montag den Labenbachhof, der etwas außerhalb von Ruhpolding in einem malerischen Tal entlang der Deutschen Alpenstraße gelegen ist. Leider bereitete mir zumindest das Wetter keinen freundlichen Empfang; kurzzeitig sank in der Umgebung die Schneefallgrenze an dem Tag auf ca. 600 Meter und so konnte ich mitten im September zunächst mal ein paar weiß eingepuderte Bergwiesen und –gipfel bestaunen. Frau Heyden- Klentzan, die mich mit ihren Mitarbeiterinnen Ulrike Walz und Thea Schimmelpfeng im modernen Tagungs- und Bürogebäude empfing, konnte mir aber versichern, dass sich das Wetter bald bessern würde, und nun ja, was interessierte mich das Wetter, ich war ja zum Arbeiten gekommen.

Zunächst aber durfte ich im alten Bauernhaus des Hofes mein Quartier, ein gemütliches kleines Dachkämmerchen, beziehen, bevor ich mir mein Notebook schnappte und mich nach dem gemeinsam eingenommenen Mittagessen, bei dem ich kurz auch den Leiter der Stiftung Wings of Hope und Ehemann von Frau Heyden-Klentzan, Diakon Peter Klentzan, kennenlernen konnte, im Büro „zum Dienst“ meldete.

Im Gespräch mit Frau Heyden-Klentzan und Frau Walz gingen wir erst mal die wichtigsten Eckdaten und Hintergründe (die ich mir nicht durch vorherige Internetrecherche erschließen konnte) der Labenbachhof gGmbH als Tochtergesellschaft der Stiftung Wings of Hope durch und dabei kamen diverse Fragen zur Gemeinnützigkeit im Steuerrecht (mein Steckenpferd), Arbeitsrecht und zur Organisation von Personal, Materialeinkauf und Investitionen in und an den Gebäuden des Hofes auf.

Bei dem Labenbachhof handelt es sich um ein Tagungszentrum höheren Lagen (offen auch für „normale“ Tages- und Übernachtungsgäste) mit immerhin rund 100 Betten, auf dem häufig gleichzeitig mehrere Gruppen ihre Veranstaltungen abhalten können. Das Küchenteam des Labenbachhofs, mit dem ich noch nähere Bekanntschaft machen sollte, stellt dabei je nach den Bedürfnissen der Tagungsgäste abwechslungsreiche Menüs zusammen, die vorzugsweise mit Produkten und Zutaten aus der Region hergestellt werden und den Wünschen von Vegetariern wie auch Menschen, die religiöse Vorschriften bei der Ernährung achten („helal“/„koscher“ etc.), angepasst werden können.

 

Das Hauswirtschaftsteam sorgt dafür, dass man sich in den gemütlichen Bauernhaus-Zimmern bzw. –Appartements wie auch in den Unterkünften im modernen Anbau sehr wohl fühlen kann.

Unterstützt werden die festangestellten Mitarbeiter des Labenbachhofs zudem von zwei Freiwilligen aus Bosnien und Palästina, die sich, nach Teilnahme an den Kursen der Stiftung Wings of Hope, für bis zu ein Jahr für den Aufenthalt in Deutschland entschieden haben und natürlich auch als Ansprechpartner der neuen Kursteilnehmer der diesjährigen Sommerakademie zur Verfügung stehen.

Nach der Besprechung und dem Kennenlernen im Büro, wo es den ganzen Tag über wie im Taubenschlag zuging (mittendrin Frau Heyden-Klentzan mit ihrer Tochter, die ebenfalls wochenweise tatkräftig unterstützte) und wo Multi-Tasking kein Fremdwort sein sollte, ging es schon zum gemeinsamen Abendessen, wo ich am Nachbartisch den lebhaften und meistens auf Englisch geführten Gesprächen zwischen Teilnehmern der Summer Academy lauschen konnte. Von Frau Walz erfuhr ich beim anschließenden Abendausklang in der Cafeteria (die nun zur Bar umfunktioniert wurde) Details über die Ausbildung und Arbeitsweise von Traumatherapeuten, da sie diese auch selbst über mehrere Jahre absolviert und, ebenso wie Frau Heyden-Klentzan, in Kindertagesstätten als Erzieherin gearbeitet hatte. Für mich erschien es beeindruckend, wie vielfältig Traumatherapie eingesetzt werden kann und ich kann mir auch gut vorstellen, wie man diese Form der Therapie für Einzelne oder bestimmte Gruppen als sinnvolle Vorstufe für allgemeinere Friedens- und Konfliktlösungsansätze, die eben nicht hauptsächlich politisch motiviert sind, einsetzen kann.

Am darauffolgenden Tag begann ich meine Arbeit im Büro und bekam sogleich eine kleine Projektarbeit zugetragen. Die Stiftung Wings of Hope plant, in Kürze eine betreute Intensivwohngruppe für traumatisierte Kinder und Jugendliche (sog. „hoffungslose Fälle“ des Jugendamtes) in einem der im Anbau vorhandenen Appartements einzurichten und wollte für diese Zwecke ein kompaktes Prospekt bzw. einen Flyer erstellen, welcher der Information bei den involvierten Stellen (Behörden, kirchliche Einrichtungen, Sozialpädagogen) dienen soll. Ein ausführliches Konzept war bereits erstellt und nun war es an mir, hieraus die griffigsten Textstellen sowie eine Bebilderung (die ich eigens noch per Digitalkamera von den Räumlichkeiten angefertigt hatte) als Vorlage für die später beauftragte Grafikerin zusammenzustellen.

Parallel begann ich eine Internetrecherche hinsichtlich Gastronomieausstattung für den anstehenden Umbau des Speisesaals, der u.a. eine neue und kühlbare Speiseausgabe und Büffet bekommen soll. Hier war mit den beauftragten Handwerkern abzustimmen, welche Geräte zum Einsatz kommen und ob diese, um Kosten zu sparen, nicht auch gebraucht übernommen werden könnten. Letztlich muss die Geschäftsführung entscheiden, ob sie einen individuellen Einbau (v.a. der Optik wegen) mit neuen Geräten bevorzugt oder ob es eine gebrauchte Anlage (mit entsprechender Händlergarantie), um die ggf. etwas herumgebaut werden müsste, nicht auch den gewünschten Zweck erfüllt. Gleichwohl ich sicherlich nicht als Fachfrau auf diesem Gebiet gelten kann, machte es Spaß, verschiedene Angebote zu recherchieren und zu vergleichen und somit eine für die Geschäftsführung sinnvolle Vorarbeit zu leisten.

An meinem Tag Nummer 3 gab es eine kleine Hiobsbotschaft zu verdauen – eine Küchenkraft hatte sich überraschend krank gemeldet und so mussten ab dem Tag temporäre Aushilfsdienste organisiert werden – selbstverständlich bot auch ich meine Hilfe an (schließlich gab es neben den Gästen der Sommerakademie noch eine Konfirmandengruppe und eine Schulklasse zu versorgen). So wurde ich erstmalig abends in die Spülküche abbeordert, wo man das Nachladen von schmutzigem Geschirr in eine Profi-Spülmaschine und das darauffolgende Nachtrocknen per Hand im Akkord einstudieren konnte. Die zwei Stündchen, die ich mit den anderen freiwilligen Helfern und dem restlichen Küchenteam dort verbrachte, waren dennoch ausgesprochen kurzweilig. Hinterher hatte man sich sein ‚Helles‘ in der Bar des Tagungszentrums redlich verdient. Dort genoss ich mit der Kollegin Ulrike Walz den Blick auf den Trubel, den die gutgelaunten Teilnehmer der Sommerakademie verbreiteten, die es regelmäßig schafften, die Nacht zum Tag zu machen (für uns „ältere Semester“ war hingegen spätestens gegen 23.30 Uhr das Zeitlimit erreicht …)

Am vierten Tag hatte ich nach getaner Arbeit im Büro wieder in der Küche zu tun und als auch dort der letzte Teller nach dem Mittagessen gespült war, unternahm ich einen kurzen Ausflug nach Ruhpolding, da das Wetter nunmehr den dritten Tag in Folge spätsommerlich sonnig und warm war. Zurückgekehrt von meinem Bummel durch das beschauliche Örtchen fragte mich Ulrike Walz, ob ich einen Wald- bzw. Almspaziergang mit ihr machen wolle, da wir bei der Gelegenheit ein wenig herbstliche Dekoration sammeln könnten, um damit den Speisesaal und die anderen kleinen Restauranträume des Bauernhauses zu schmücken.

Am Freitag sollten neue Gäste kommen, die ein Spezialmenü bestellt hatten; außerdem würden die israelischen Teilnehmer der Sommerakademie die Sabbat-Feier ausrichten. Wir griffen uns also einen Weidekorb und sammelten unter den neugierigen Blicken der Kälbchen auf den umliegenden Almwiesen bunte Blumen, Laub, Fallobst und bemoostes Holz. Zurück auf dem Hof verteilte ich die Dekoration und übernahm wieder, jetzt schon deutlich routinierter, meine Aufgabe in der Spülküche.

Die jungen Leute von der Sommerakademie, die ziemlich geschafft, aber begeistert von ihrer Rafting-Tour, die sie in der Nähe mit den Gruppenleitern, zu denen neben Peter Klentzan auch dessen Sohn gehörte, unternommen hatten, waren mittlerweile zurückgekehrt und begaben sich nach dem Abendessen zum letzten offiziellen Programmpunkt des Tages, dem Abendimpuls, bei dem sie ihre Tageserlebnisse auf einer Gedankenreise und mit Ulrike Walz beim Sammeln der „Dekoration“ Meditation noch mal Revue passieren lassen und sich dabei vorstellen sollten, was der für sie schönste Moment an diesem Tag gewesen war, den sie dann mit einem passenden Adjektiv bezogen auf ihre Person umschreiben konnten. Die Zustandsbeschreibung, die ich dabei mit Abstand am häufigsten hörte, war die Aussage „I am free“ oder „I feel free“. Und da man sich so schön frei fühlte, bereitete es keine Schwierigkeiten, zum Abschluss gemeinsam und lauthals zu singen, wobei das erklärte Lieblingslied der Gruppe („If I Had A Hammer“) nicht fehlen durfte. Ein sehr berührender Ausklang des Tages.

Freitag: Mein letzter offizieller und zugleich Großkampftag. Zwei neue Gruppen würden anreisen und die Sommerakademie wollte abends gemeinsam Sabbat feiern.

Vormittags sollte nach dem Wunsch von Frau Heyden-Klentzan noch die Wahl eines Mitarbeitervertreters stattfinden und dafür bot es sich an, dass ich die Wahl als Juristin und neutrale Beobachterin protokollierte. Zwei Mitarbeiter/innen stellten sich zur Wahl, aber wie will man eine Wahl durchführen, wenn zum angekündigten Zeitpunkt die Wähler auf dem großen Hof verstreut ihrer Arbeit nachgehen … Da hieß es erst mal einsammeln bzw. alle zusammen zu trommeln. Nach einer kurzen Ansprache von Frau Klentzan füllte jeder für sich den Wahlzettel aus und überreichte ihn mir feierlich. Das Wahlergebnis konnte schnell und eindeutig festgestellt werden und somit gibt es nun auf dem Labenbachhof auch eine Mitarbeitervertretung – wie in einem „richtigen“ Unternehmen eben!

Ab dem späten Nachmittag musste die volle Aufmerksamkeit der Küchenarbeit gewidmet werden – jeder packte mit an, um für die vier kleinen und großen Gruppen im Haus jeweils unterschiedliche Abendmenüs zuzubereiten. So war ich mal zum Quiche-Backen, mal zum Salatschnippeln, mal zum Beaufsichtigen der Käsespätzle im Ofen eingeteilt, während Ulrike Walz zusammen mit dem stellvertretenden Küchenchef den Überblick zu behalten versuchte und Frau Heyden-Klentzans Tochter in der Vorbereitung des Spezialmenüs wirbelte, das sie gemeinsam mit ihrer Mutter den separat sitzenden Gästen in der Weinstube servierte.

Irgendwer hatte es vorher noch geschafft, das Challa, ein salzloses Brot, welches zum Sabbat gereicht wird, zu backen. Kurz darauf ging es auch schon los – eine Sabbatfeier hatte ich zuvor noch nie miterlebt und schaute der Zeremonie von der Spülküche aus interessiert zu. Eine der israelischen Kursteilnehmerinnen hatte die Helfer in der Küche nicht vergessen und bot uns nach den Liedern und Gebeten auch Stücke des Brotes an, wie es Brauch ist: „Schabbat Schalom“.

Zum Abschied …

… trug ich am Samstagmorgen leicht dunkle Ringe unter den Augen (am Freitagabend hatten wir in der Cafeteria mit allen Teilnehmern der Sommerakademie fröhlich gefeiert, mit wechselnden DJs am „Mischpult“, einem Notebook, was Musik aus youtube spielte) und bedankte mich bei Frau Heyden-Klentzan, Peter Klentzan und Ulrike Walz für eine ereignis- und lehrreiche Woche.

Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dort eines Tages nochmals als Freiwillige mitzuarbeiten und hoffe, dass es weiterhin viele andere Unterstützer und Projektpartner geben wird, die von der Idee der Stiftung und dem Labenbachhof als Ort der Begegnung aber auch der Zuflucht für Menschen, die Schlimmes erlebt haben, genauso angetan sind wie ich.

Zum Nachdenken

Frieden kannst Du nur haben, wenn Du ihn gibst.

(Marie v. Ebner-Eschenbach)

 

Zum Nachlesen

Weblinks zur Internetseite des Labenbachhofs und zur Stiftung Wings of Hope:

https://labenbachhof.de

http://www.wings-of-hope.de

 

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