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Feriencamp „Erneuerbare Energien“ der Clément-Stiftung in der Johann-Hinrich-Wichern-Schule, Hofheim

2014-08-11

Feriencamp „Erneuerbare Energien“ der Clément-Stiftung in der Johann-Hinrich-Wichern-Schule, Hofheim

Ein Erfahrungsbericht zur „sozialen Woche“ vom 11.08. bis 15.08.2014

CSR-Mitarbeiterin: Anita Anušić

Vorgeschichte

Im April d. J. sprach ich Norbert Clément darauf an, dass ich in den Sommerferien an meinem „bürofreien“ Wochentag die Clément-Stiftung unterstützen könne, falls in dieser Zeit Projekte stattfänden und noch Helfer benötigt würden.

Einige Tage später erhielt ich die Rückmeldung, dass es organisatorisch schwierig sei, Helfer nur tageweise einzuplanen, aber dass ich stattdessen meine soziale Woche bei der Clément-Stiftung im Camp für „Erneuerbare Energien“ mit Teilnehmer/-innen ab sieben Jahren in der Johann-Hinrich-Wichern-Schule in Hofheim absolvieren dürfe. Über diese Nachricht habe ich mich riesig gefreut, ob-wohl ich gar keine Vorstellung hatte, wie wohl der Ablauf des Feriencamps sein würde oder die einzelnen Stationen usw. aussehen und wie viele Schüler/-innen sowie Betreuer/-innen teilnehmen würden.

Einen ersten kleinen Einblick habe ich dann – als einziger Feriencamp-Neuling – bei einem Termin zu viert zum „Vorab-Basteln“ im Mai gewonnen. Mit der Hilfe von Stefan Strasser und Matthias Schiffke, der dann im Feriencamp auch die „Bootswerkstatt“ leitete, haben Steffi, die Schülerin ist und die Clément-Stiftung bereits bei einem anderen Ferienprojekt unterstützt hat, und ich bei Kaffee und Kuchen unsere ersten schwimmtüchtigen Probe-Solarboote mit unterschiedlichen Antriebsweisen gebastelt. Außerdem haben Matthias und Stefan überlegt und getüftelt, wie sich einige der weiteren Stationen des Camps fertigen lassen könnten – es war unglaublich faszinierend zu sehen, was die beiden so aus allen möglichen Alltagsgegenständen kreiert haben!

 

Der „Startschuss“ in eine unglaublich spannende, lehrreiche, tolle und auch herausfordernde Woche

Als ich dann, verschiedene Informations-E-Mails und knapp drei Monate später am Montagmorgen den Schulhof der Johann-Hinrich-Wichern-Schule betrat, schwappte mir sogleich eine Fülle von Eindrücken entgegen: Ein Teil der zumeist ehrenamtlichen Betreuer/-innen, die sich u.a. aus Pensionären, Ingenieuren, Maschinenbauern, Pädagogen aber auch älteren Schülerinnen und von der Stadt Hofheim/Ts. für diverse Ferienprojekte engagierten Mitarbeiter/-innen zusammensetzte, war schon ziemlich fleißig. Es herrschte emsiges Aufbauen auf dem Schulgelände und auf dem Schulhof waren außer einem riesigen Wasserbecken – einem Teil der Was-serkraftanlage – schon verschiedene Stationen zu erkennen, die zum Bestehen des „Energieführerscheins“ von jedem Teilnehmer zu absolvieren waren.

Erste Eindrücke: Das Wasserkraftanlagebecken und das bei den Kindern ziemlich beliebte „Fahrrad“, für dessen Antrieb es aber einer Menge Mus-kelkraft bedurfte, um über einen angeschlossenen Generator Strom zu erzeugen und so für Bewegung im Wasserkraftbecken zu sorgen.

Nachdem ich mich „zum Dienst gemeldet“ hatte, ging es nach einem kurzen Briefing auch gleich an die noch anstehenden Aufbau- und Vorbereitungsarbeiten, die dann fließend in den Empfang der inzwischen eintreffenden Schüler/-innen übergingen. Nachdem der organisatorische Teil wie das Erstellen der Anwesenheitsliste, erster Orientierungshilfe usw. erledigt war und alle Kinder mit einem Namensschild ausgestattet waren, ging es für alle Kids und Betreuer/-innen – zusammen rund 60 Personen – weiter mit der Begrüßungsrunde auf dem Schulhof durch die Referentin Kirsten Allendorf, Umweltpädagogin, sowie der anschließenden Aufteilung aller Kinder auf insgesamt fünf Gruppen. Jede dieser fünf Gruppen sollten in der Feriencamp-Woche folgende fünf Stationen durch-laufen:

 

  • Bau eines fahrtauglichen Autos mit Solar-Antrieb – hier konnten die Camp-Teilnehmer/-innen zwischen vier Automodellen wählen, die sie anhand von Bauanleitungen, Muster-Fotos und natürlich mithilfe fachmännischer Unterstützung in einem Werkraum der Schule bauen konnten.

    Diese vier Automodelle sahen nicht nur recht unterschiedlich aus – auch der Schwierigkeitsgrad der Montage war nicht der gleiche. Beim Autobau konnten die Kids nicht nur ihre Kreativität mit ins Spiel bringen und ihre Feinmotorik trainieren, sondern auch den sachgerechten und sorgfälti-gen Umgang mit Werkzeugen lernen und zudem auch verschiedenste Materialien wie Konserven-dosen recyceln. Und es war jedes Mal toll, das glückliche und stolze Lächeln einer Schülerin/eines Schülers zu sehen, wenn die Probefahrt des soeben fertiggestellten Solar-Autos auf dem Schulhof tatsächlich erfolgreich war.

    Hier einige Fotos rund um die Solar-Autowerkstatt

  • Küche – von hier aus wurden unter der Leitung von Steffi Barthel, Künstlerin und ehemalige Lehrerin, sämtliche Schüler/-innen und Helfer/-innen mit Rohkost-Imbissen, Getränken und köstlichen vegetarischen Mittagessen inkl. Desserts bei Kräften ge-halten und verwöhnt. Jede Gruppe hatte im täglichen Wechsel verschiedenste Leckereien selbst zubereitet: Kaiserschmarrn, Kartoffeln und Eier mit selbstgemachter und außerordentlich köstlicher grüner Soße, zwei Sorten Kartoffelauflauf und, und, und. Außerdem gehörten natürlich auch Aufgaben wie das Eindecken und Abräumen der Tische dazu – sowie kleine Aufheite-rungen für uns alle, wie beispielsweise das Vortragen einer der vielen unterschiedlichen Versionen der „Legende vom Kaiser-schmarrn“. Einige der Camp-Teilnehmer/-innen haben sicherlich den einen oder anderen inspirierenden Eindruck von der kom-pletten Zubereitung der eigenen Mahlzeiten aus frischen Zutaten mitnehmen können.

  • Bau eines fahrtüchtigen Bootes mit Solar-Antrieb – in dieser Werkstatt bauten die Camp-Teilnehmer/-innen ihre Boote, die am letzten Camp-Tag dann zum Boots-Wettfahren inkl. Schönheitswettbewerb angetreten sind. Hier konnten die Kids zwischen verschiedenen Antriebsweisen wählen und ihrer Kreativität freien Lauf lassen – wobei die Schwierigkeit darin bestand, das Gewicht der Boote inkl. aller Dekoration recht gleichmäßig zu verteilen, damit die Boote z. B. nicht nur im Kreis fahren oder aufgrund ihrer Lageeigenschaften im Wasser gar nicht von ihrer Schiffsschraube angetrieben werden können oder wegen ihres hohen Eigengewichts gar untergehen.
    Ab Freitagmittag konnte ich dann auch zeitweise die Kids in der Bootswerkstatt unterstützen. Es herrschte ziemlich geschäfti-ges Treiben, denn es mussten vor den einzelnen Bootsrennen an mehreren Booten noch flink letzte Korrekturarbeiten vorge-nommen werden: Teile von schwimmbaren Materialien wie Schwimmnudeln sollten beispielsweise zugeschnitten werden, um nicht schwimmfähige Boote zu stabilisieren und über Wasser zu halten oder es bedurfte Korrekturen hinsichtlich der Gewichts-verteilungen usw., usw.
    Schäden, die sich manche Etappengewinner zugezogen hatten, waren vor dem nächsten Rennantritt zu reparieren. Und natür-lich standen auch noch diverse Verschönerungsmaßnahmen für den anstehenden „Boots-Kreativwettbewerb“ an … Nachdem all diese „Boxenstopps“ durch waren, konnte ich für mich schon mal das unumstrittene, absolut unverzichtbare und universal einsetzbare Lieblings-„Werkzeug“ der Kids benennen: die Heißklebepistole!

    Es war spannend, zu sehen, wie einfallsreich und akribisch manche der Schüler/-innen beim Bauen und Dekorieren ihrer Kunst-werke vorgegangen sind – hier einige Impressionen aus der „Bootswerft:



    Und dies sind einige der am Bootswettbewerb teilnehmenden komplett fertiggestellten Modelle.

  • „Sonstiges“ – hinter diesem unscheinbaren Namen verbargen sich einige interessante, ungewöhnliche, witzige, kreative und oftmals auch für mich neue Angebote: Neben dem Basteln ihrer Startplakate für den „Boots-Kreativwettbewerb“ konnten die Kids beispielweise ihr Bildhauertalent an Ytong-Steinen testen, Solar-Besen bauen (die dann fleißig den Schulhof gekehrt ha-ben), Papier selber schöpfen und, wer mochte, auch kleine Blumenblüten mit ins Papier einarbeiten. Am letzten Tag wurde zudem zur Freude vieler Kids das Bauen von „Knallköpfen“ aus Filmdosen mit auf den Deckel geklebten und verzierten Styro-porkugel-Köpfen angeboten: Sobald in die Filmdose ein Stück feuchte Brausetablette gelegt und anschließend der Deckel gut verschlossen wurde, hieß es nur noch, ein Weilchen warten, bis in der Dose genug Druck entstand, damit der Deckel in hohem Bogen von der Dose katapultiert wurde …

    Die Camp-Teilnehmer/-innen haben zudem unter der Leitung von Herrn Norbert Döll für den „Freundeskreis Ostafrikahilfe St. Luke’s e. V.“ aus mehreren Einzelteilen Müll – wie z.B. alten Bonbondosen (als Lampenfuß) – Solarlampen für Schülerinnen und Schüler in Kenia gebastelt, damit diese auch nach Einbruch der Dunkelheit noch die Möglichkeit haben, zu lesen und zu lernen.

  • Energie-Rallye – um ihren „Energieführerschein“ zu machen, sollten die Schülerinnen und Schüler 10 Stationen, die allesamt auf dem Schulhof aufgebaut waren, absolvieren. Dies war auch in dieser Woche mein Haupteinsatzort und ich kann sagen, dass ich richtig begeistert von diesen Einzelstationen war, denn jetzt konnte ich live einige Werke der geschickten Tüftler be-staunen, wobei ich sicherlich die Zeit und Arbeit, die sie im Camp-Vorfeld investiert haben mussten, nicht mal annäherungs-weise einschätzen konnte! Die 10 Einzelstationen, die zum Bestehen des Energieführerescheins zu durchlaufen waren, wurden jeweils zum größten Teil aus Alltagsgegenständen gefertigt.

    Die imposanteste Station war das Wasserkraftanlagebecken, in dem u.a. auch die Bootsrennen ausgetragen wurden. Aber hier sollten die Camp-Teilnehmer auch testen, wer es mit Hilfe des Energiefahrrades schafft, das meiste Wasser in das Becken zu pumpen. Hier standen die Kids natürlich Schlange und durften dann, als sie endlich an der Reihe waren, feststellen, dass ganz schön viel Kraft und Ausdauer nötig war, um mit dem Energiefahrrad Strom zu erzeugen. Aber auch bei den hin und wieder an der Anlage anfallenden Umbau- oder Reparaturarbeiten standen stets einige fleißige, kleine Helfer zur Verfügung.
    Auf der nächsten Etappe konnten die Schülerinnen und Schüler ebenfalls per Muskelkraft Strom erzeugen: Hier war eine Mo-delleisenbahn auf einem Rundkurs per Handkurbel anzutreiben und es sollten in einer Minute möglichst viele Runden geschafft werden.

    An der dritten Station konnte getestet werden, was besser funktioniert: Strom aus Sonne oder Wind zu gewinnen? Um dies zu testen, konnte man entweder Solarpaneele oder aber Windräder mit verschiedenen (Strom-)Verbrauchern verbinden.
    An Station 4 sollten sich die Kids Fingerwärmer nach Anleitung basteln und an Station 5, die sich auch großer Beliebtheit er-freute, durften Bilder mit einer Solarschleuder gemalt werden. Die Drehscheibe hierfür war in einem nach oben offenen Kuchenhaubendeckel angebracht und wurde ebenfalls per Solarzelle angetrieben.


    An der folgenden Station war das Geschicklichkeitsspiel „Der heiße Draht“ zu finden und im nächsten Bereich durften die Kinder unter Tragen einer Schutzbrille mit Fresnel-Linsen Muster, Bilder, Schriftzüge etc., die sie zuvor mit Bleistift auf kleine Holzstücke aufgemalt haben, in das Holz brennen. Hier war es je nach Sonneneinfall ganz schön knifflig, ausreichend Licht zu bündeln, damit das Holz anfängt, leicht zu kokeln!

       Brennen von Holzschildern mithilfe einer Fresnel-Linse.


    Station 7 wurde das Energiequiz „Wo kommt unser Strom her?“ angeboten – hier mussten u.a. die passenden Energiequel-len und Kraftwerke gefunden werden.

    Auf Etappe 8 konnten die Schüler/-innen einen Solarzeppelin mit bunten Bändern schmücken und startklar machen und eine Station weiter konnte mit einem Solarkocher gekocht und Kekse in einem Solarofen gebacken werden. Zwar hat es bis zum Nachmittag gedauert, bis die Kekse (annähernd) fertiggebacken waren, aber man konnte anhand des Thermometers sehr gut sehen, in welchem Zeitraum die Temperatur wie stark ansteigt und es gab genügend Zeit, sich den Solarofen sowie den Solar-kocher ganz genau anzuschauen.

    Die letzte der 10 Stationen war für die Kinder ein weiteres Highlight: Der aus einer Satellitenschüssel und mit Silberfolie be-klebte selbstgebaute Parabolspiegel durfte ebenfalls nur mit Schutzbrille und mit der Hilfe eines Erwachsenen benutzt werden. Hier konnten die Kinder durch geschicktes Ausrichten des Solarspiegels ein Stück Holz zum Brennen bringen. Das kam bei den meisten so gut an, dass sie Zweige, Baumzapfen und was man sonst noch an brauchbarem Material auf dem Schulhof finden konnte, aufgesammelt haben, um es dann mithilfe des Spiegels in Flammen aufgehen zu lassen. Das Gedränge am Parabol-spiegel war mitunter sehr groß – schließlich gab es hier die seltene Erlaubnis zum Zündeln! Unter anderem an diesem Abschnitt hatte ich einen sehr „einnehmenden“ Dienst, denn hier galt es, aufzupassen wie ein Luchs, damit die“ Kreativität“ nicht über-handnimmt, sich niemand vordrängelt und vor allem, damit nichts ungewollt in Flammen aufgeht.

    Der Solarspiegel war definitiv einer großen Lieblinge der Camp-Teilnehmer/-innen!




    Jeder, der alle 10 Abschnitte der Energie-Rallye durchlaufen hatte, hatte seinen Energie-Führerschein bestanden, der dann natürlich auch umgehend von der „Führerscheinstelle“ erstellt und ausgehändigt wurde.


Abschied

Am Freitag fand nach Ende des Feriencamps in einer benachbarten Schule bei etwas tristem Wetter dann ein zwangloses Abschieds-treffen statt, zu dem auch die Teilnehmer von anderen Projektwochen in der Nähe kamen.

Ja, und ich kann ohne langes Überlegen nach einer schönen, spaßigen, turbulenten, lehrreichen – aber auch mitunter anstrengenden – Woche, in der auch mal das eine oder andere Kind aufgeheitert, von einer tollkühnen Idee abgehalten und die eine oder andere Streitigkeit geschlichtet werden musste, sagen, dass ich noch einmal in einem Feriencamp mithelfen würde.

Ziemliche Achtung habe ich vor den tollen Ideen der Tüftler unter den Betreuer/innen, dem Herzblut, das in den einzelnen Projekten steckt, dem starken Engagement des Großteils der (zumeist ehrenamtlichen) Helfer/innen, aber auch vor der souveränen Art, mit der Kirsten Allendorf die Kids durch das Camp geführt hat und vor dem immensen Arbeitspensum von Andrea Clément – herzlichen Dank für diese Woche, an die ich immer wieder gern zurückdenke und in der ich auch allerhand Neues und eine Menge interessanter Menschen kennengelernt habe!

 

Zum Nachdenken

Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen.

Antoine de Saint-Exupery, französischer Schriftsteller

Wir leben so, als wären Bequemlichkeit und Luxus das Höchste, was es im Leben zu erreichen gilt; dabei ist alles, was wir brauchen, um wirklich glücklich zu sein, etwas wofür wir uns begeistern können.

Charles Kingsley

englischer Schriftsteller und Historiker

 


Zum Nachlesen und Nachmachen

http://www.clement-stiftung.de/

Basteln und Experimentieren mit Solarenergie, Velber Kinderbuch, ISBN: 978-3-8411-0066-5


Alle Fotos wurden mit Genehmigung von Stefan Strasser bzw. Andrea Clément zur Verfügung gestellt oder von der Website
http://www.clement-stiftung.de/ entnommen.

Ort: in der Johann-Hinrich-Wichern-Schule, Hofheim

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